Retroflag GPi Case im Gameboy-Design für Raspberry Pi Zero im Test

Retroflag GPi Case im Gameboy-Design für Raspberry Pi Zero im Test

Er sieht dem originalen Gameboy zum Verwechseln ähnlich. Jedenfalls was Farbe und Form betrifft. Auf den zweiten Blick gibt es natürlich ein paar gravierende Unterschiede in punkto Größe und Bildschirm. Aber der Reihe nach. Das GPi Case von Retroflag orientiert sich am 90er Jahre Verkaufsschlager von Nintendo. Eine Hommage sozusagen. Was man damit alles machen kann und ob sich der Kauf lohnt, habe ich in meinem Testbericht einmal zusammen getragen.

Ein Handheld verändert die Welt …

Die vier roten Buttons verraten am Schnellsten, dass es sich hier nicht um den originalen Gameboy handelt.

Die vier roten Buttons verraten am Schnellsten, dass es sich hier nicht um den originalen Gameboy handelt.

… die Rede ist von keinem anderen als dem legendären Gameboy von 1989 – graues Äusseres, Monochrombildschirm, über 118 Millionen mal verkauft. Nintendo zog damals mit Vollgas an der Konkurrenz vorbei. Knapp 30 Jahre später kam der chinesische Hersteller Retroflag auf die Idee, eine Version im Mini-Format zu produzieren. Mini ist hierbei etwas übertrieben. Der Nachbau des GPi Cases ist zirka zehn Prozent kleiner als sein Vorbild. Auf der Rückseite lassen sich ebenfalls Module einstecken. Beim GPi Case handelt es sich allerdings um ein spezielles Modul, in dem ein Raspberry Pi Zero verbaut wird.

Inbetriebnahme GPi Case von Retroflag

Anders als beim großen Bruder benötigt der Raspberry Pi Zero eine Micro-SD-Karte. Als Retro Gaming Betriebssystem empfiehlt der Hersteller Recalbox, Lakka, Batocera und Supreme Retro Gaming. Retropie läuft alternativ auch. Theoretisch lässt sich alles auf dem Raspberry Pi Zero installieren, was man beim Raspberry Pi auch klappt. Hierbei sollte man allerdings wissen, dass das GPi Case die Bildschirmausgabe über die GPIO-Schnittstelle ausgibt, zudem gilt das Mapping des Eingabe-Controllers und ein Shut-Down-Script zu beachten beziehungsweise zu installieren. Die genannten Empfehlungen von Retroflag haben das Ganze bereits berücksichtigt. Ansonsten gibt es diverse Patches unter download.retroflag.com/ als kostenlosen Download.

Hier gibt es das GPi Case von Retroflag bei Amazon zu kaufen:

In eigener Sache – Retrogaming

Das GPi Case arbeitet mit Retroarch flott und unkompliziert. Hier installiert: Lakka.

Das GPi Case arbeitet mit Retroarch flott und unkompliziert. Hier installiert: Lakka.

Wunderbare neue Welt: man nehme einen Einplantinencomputer, schließt ihn per HDMI an einen Monitor an, Controller dran und zack, schon hat man zig tausend Spiele zur Auswahl. Vornehmlich Retrospiele. Echt toll, oder? Leider hat das ganze Thema einen leicht bitteren Beigeschmack. Viele der Spiele, die man aus diversen Quellen herunterladen kann, sind nicht legal beziehungsweise von den Herstellern nicht freigegeben. Aus diesem Grund haben die bereits angesprochenen Betriebssysteme auch keinerlei Spiele mit an Bord. Und wenn, dann nur Homebrew– oder Public-Domain-Spiele. Der mir einzige bekannte legale Weg ist, die Spiele käuflich zu erwerben und dann beispielsweise per Retrode auszulesen. Klingt umständlich? Ist es auch. Daher muss jeder selbst entscheiden, wie legal und fair sein Retrogaming-Hobby sein soll.

Aber zurück zum GPi Case von Retroflag. Hier gibt es alle technischen Daten in einer kurzen Übersicht.

Ausstattungsmerkmale – alle Details GPi Case im Gameboy-Design

  • Bildschirm: 2,8 Zoll LCD-Display
  • Maße:13,5×8,1×3,2 cm
  • Gewicht: 183 Gramm
  • Passend für Raspberry Pi Zero und Zero W
  • 3,5 mm Audio-Buchse
  • 3x AAA Batterien, auch Akkus möglich
  • LED-Batterie Anzeige
  • Vier Buttons vorne (A, B, X, Y)
  • Zwei Schultertasten hinten
  • Lautstärkeregler
  • Helligkeitsregler
  • Anschluß Strom (5 Volt) – Kabel liegt bei
  • Mono-Lautsprecher vorne
  • An/Aus-Schalter mit Safe-Shutdown-Funktion, wenn installiert
  • Micro SD Slot

Mein Fazit zum GPi Case von Retroflag

Kein fest eingebauter Akku - zum Betrieb des GPi Cases werden drei Batterien/Akkus benötigt.

Kein fest eingebauter Akku – zum Betrieb des GPi Cases werden drei Batterien/Akkus benötigt.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem GPi Case zufrieden. Mein Ziel war es, die alten Nintendo-Klassiker, wie Super Mario World und Kirby’s Dream Land, aufleben zu lassen. Aber auch andere Handhelds wie Atari Lynx oder Sega Game Gear wollte ich ausprobieren.

Der erste Start

Zuerst teste ich, welches das geeignetste System für das GPi Case war. Recalbox lief, aber die Bedienung gefiel mir nicht richtig. Zudem zog sich die Zeit vom Einschalten bis zum Startbildschirm extrem in die Länge. Batocera startete erst gar nicht. Daher war ich auf Lakka gespannt. Ladezeit von knapp 26 Sekunden – okay. Das Xmb-Design schien für den verbauten Bildschirm zu klein. Daher blieb ich beim Standardlayout, welches Retroarch mitlieferte. Hier werden zwar keine Vorschaubilder angezeigt, dafür reagiert alles sehr flott und ist gut zu bedienen. Das Einrichten des WiFi-Zugangs klappte problemlos. Per SHH oder Samba ließ sich remote auf das System zugreifen.

Tipp: hat man doch irgendetwas an den Einstellungen kaputt-gespielt, lässt sich der Ausgangszustand einfach wieder herstellen. Hierzu braucht man nur die drei Zeilen per SSH eingeben: „systemctl stop retroarch“, „rm /storage/.config/retroarch/retroarch.cfg“, „systemctl start retroarch“ – fertig.

Optik ist (nicht) alles

Vom Aussehen her punktet das Gehäuse mit solider Verarbeitung. Die Buttons und das Steuerkreuz haben einen guten Druckpunkt. Die Gehäusemaße und entsprechend die Anordnung der Buttons sind für meine Hände allerdings einen Tick zu klein. Beim originalen Gameboy war das Spielen deutlich länger möglich, ohne einen Krampf in den Händen zu bekommen. Zudem stören die Schultertasten auf der Rückseite. Hier drückt man ungewollte drauf, auch wenn sie beispielsweise bei einer Gameboy-Emulation keine Funktion haben. Das Display ist scharf, aber nicht optimal. Anstatt der 2,8 Zoll hätten mir 3 Zoll besser gefallen. Mit einem größeren Gehäuse wäre das sicherlich möglich gewesen. Letzter Kritikpunkt ist das Batteriefach. Zum einen braucht das GPi Case Batterien. Und zwar gleich drei. Wer keine aufladbaren Batterien hat, sollte dafür immer einen kleinen Vorrat parat haben. Warum der Hersteller nicht gleich einen Akku integriert hat, ist mir unklar. Zudem lässt sich nicht jeder Mini-USB-Stecker in die Buchse hinter dem Batteriedeckel stecken. Der Schacht ist schlichtweg zu klein bemessen. Irrtümlich dachte ich, er wäre dafür da, dass man damit die eingelegten Akkus laden kann. Leider nein – mit diesem USB-Anschluss lassen sich nur Firmwareupdates einspielen.

Das soll es auch schon mit dem Kritikpunkten gewesen sein. Ansonsten finde ich die Idee, den Raspberry Pi in ein wechselbares Modul zu integrieren, sehr gelungen. Über eine Kappe an der Seite lässt sich die Micro-SD-Karte später auch einfach entnehmen. Ansonsten ist am GPi Case alles dran, was man benötigt: Lautstärkeregler und Helligkeitsregler sind super praktisch, das Display ist hell genug, um auch draußen etwas sehen zu können und der Kopfhörer-Anschluß bringt Retro-Gaming-Gefühle aus den 90er Jahren zurück.

Hier gibt es das GPi Case von Retroflag bei Amazon zu kaufen:

Ständiger Begleiter

Wie auch schon damals, ist der Gameboy-Klon ideal für zwischendurch. Die Batterien halten etliche Stunden. Gameboy, Gameboy Color und Gameboy Advanced lassen sich super emulieren. Sega Mega Drive und SNES laufen ebenfalls gut. Doch beim N64 oder Sega Dreamcast stößt der Raspberry Pi an seine Grenzen. Für einen Preis von etwa 75 Euro erhält man ein schickes Gehäuse mit allerlei Funktionen für unterwegs.

Modifikationen – Mods für das GPi Case

Die Rückseite des GPi Case von Retroflag: Modul mit integriertem Raspberry Pi Zero und Batteriefach.

Die Rückseite des GPi Case von Retroflag: Modul mit integriertem Raspberry Pi Zero und Batteriefach.

Es gibt aktuell einige Modifikationen – kurz Mods – für das GPi Case. Die kleinen und großen Veränderungen sind nicht unbedingt notwendig. Doch es bietet eine gute Möglichkeit, verschiedene Kritikpunkte zu beheben. Zu den beliebtesten Mods gehören:

  • Einbau eines Akkus und Lademöglichkeit über USB C
  • Austausch des Steuerkreuzes und der Buttons von SNES Controller oder Original Gameboy
  • Einbau eines größeren Displays – mit bis zu 3,5 Zoll
  • HDMI-Anschluß des Raspberry Pi Zero nach Außen führen
 – Veränderung der Schultertasten auf der Rückseite
  • Neuer Aufkleber für Modul auf der Rückseite

Eine gute Sammlung an Mod-Anleitungen finden sich beispielsweise auf Youtube bei Adam Builds.

Zusammenfassung – Vorteile/Nachteile Retroflag GPi Case

Vorteile:

  • Schnell einsatzbereit
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Tolles Design

Nachteile:

  • Kleines Gehäuse
  • Kleines Display
  • Kein Akku

Fotos: Powerkonsolen.de